Schwerter zu Pflugscharen

Denkmal "Schwerter zu Pflugscharen"

Denkmal "Schwerter zu Pflugscharen" im Lutherhof

Entworfen von dem Künstler Michael Krenz (Halle/Saale)

„Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen. Es wird kein Volk gegen das andere sein Schwert erheben.”

Zur Erinnerung an die Schmiedeaktion vom 24. September 1983: Friedrich Schorlemmer, viele Wittenberg Bürger und zahlreiche Gäste setzten hier im Lutherhof durch ihr mutiges Eintreten für Frieden und Demokratie ein Zeichen für Zivilcourage.

Der Kunstwettbewerb und das Erinnerungsmal wurden vom Lions Club Wittenberg und weiteren Clubs, von der Stiftung der Deutschen Lions und Lions Clubs International finanziert.

Die Historie

Am 24 September 1983 findet auf dem Lutherhof zu Wittenberg die Schmiedeaktion „Schwerter zu Pflugscharen” statt. Gegen 21.30 Uhr versammeln sich über 600 Menschen. Der Friedenskreis um Pfarrer Friedrich Schorlemmer hat die Aktion vorbereitet, für die es keine öffentliche Einladung gibt, die sich aber per Mundpropaganda herumgesprochen hat. Zu Beginn wird ein Schwert festlich in den Hof getragen, begleitet von Gebeten und Gesängen. Die „Schmiedeliturgie” setzt sich fort, während der Wittenberger Kunstschmied Stefan Nau das Schwert in heißer Kohle zum Glühen bringt und es in anderthalb Stunden auf dem Amboss umschmiedet. Dies entspricht der alttestamentlichen Forderung, Schwerter zu Pflugscharen zu verwandeln, also aus einem Kriegsgerät ein Gerät für den Erhalt des Lebens zu machen. Die Teilnehmer klatschen im Rhythmus des Hämmerns und hören den Texten von Friedrich Schorlemmer und Jürgen Rennert sowie den Liedern der Musikgruppe Baltruweit zu.

Auch diese „Hammerschläge” sind weit über Wittenberg zu hören. Der Journalist Peter Wensierski vom Westdeutschen Rundfunk ist mit einem Kamerateam dabei. Sein Beitrag wird nur wenige Tage später in der Tagesschau und im ARD-Magazin „Kontraste” gesendet. Die Bilder machen einen tiefen Eindruck und bezeugen den Willen der Teilnehmer zu Aufbruch und Veränderung. Zahlreiche westdeutsche Journalisten und viele Gäste sind in der Stadt, da anlässlich des 500. Geburtstags Martin Luthers vom 22. bis 25. September 1983 in Wittenberg ein Regionaler Kirchentag durchgeführt wird. Unter den Ehrengästen ist der Regierende Bürgermeister von Berlin, Richard von Weizsäcker, der als Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland am Tag nach der Schmiedeaktion auf dem Marktplatz zu den Tausenden Gästen spricht. Die öffentliche und mediale Aufmerksamkeit schützt die Teilnehmer der Schmiedaktion auf dem Lutherhof, so dass weder die Polizei noch die Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit eingreifen.

Seit 1980 begeistert die Forderung „Schwerter zu Pflugscharen” gerade viele junge Leute in der DDR. Nach der Skulptur des russischen Bildhauers Jwegeni Wutschetisch entsteht ein Emblem, das als textiler Aufnäher produziert wird, um die staatliche Zensur von Druckerzeugnissen zu umgehen. Der Staat greift streng durch und bestraft die Anhänger der Aktion wegen „Störung des sozialistischen Zusammenlebens”. Es kommt zu Verweisen von Schule und Universität. Etwa 100.000 Menschen beteiligen sich an der Bewegung „Schwerter zu Pflugscharen”, die als größte Oppositionsbewegung der DDR vor der friedlichen Revolution und zugleich als wichtige Etappe auf dem Weg dahin gilt. So wird verständlich, weshalb der „Runde Tisch” im Frühjahr 1990 als neues Staatswappen das Symbol „Schwerter zu Pflugscharen” vorschlägt.

Das Denkmal

Die Schmiedeaktion wie die gesamte Bewegung „Schwerter zu Pflugscharen” bezeugen den Willen zu Freiheit und Frieden und zugleich den Mut vieler Menschen in der DDR. Sie verdienen den Respekt und die Erinnerung der Nachgeboren. Deshalb hat die Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt zusammen mit der Kunsthochschule Burg Giebichenstein Halle 2015/16 einen Kunstwettbewerb zur Gestaltung eines Erinnerungsmals durchgeführt. Das Kunstwerk des Hallenser Künstler Michael Krenz (geb. 1974) ist seit März 2017 im Lutherhof zu sehen. Die Stahlplastik zeigt die Schmiedewerkzeuge als scherenschnittartige Negativformen: In der DDR war es verboten, das Emblem „Schwerter zu Pflugscharen” zu zeigen. Die Leerformen regen die Betrachter an, sie in Gedanken zusammenzufügen: Sie besitzen jetzt alles, um ein Schwert in einen Pflug zu verwandeln. Das spielerische Moment des Bildprogramms erinnert an die kraftvoll-fröhliche Aufbruchstimmung der Schmiedeaktion vom 24. September 1983.

Zivilcourage ist ein wesentliches Element der ethischen Grundsätze von LIONS International. Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums von LIONS International im Jahr 2017 hat deshalb der Lionsclub Wittenberg mit großzügiger Unterstützung weiterer Lionsclubs aus dem gesamten Bundesgebiets sowie dank der Eigeninitative einzelner Amtsträger der Lions-Organisation die Errichtung dieses Denkmals ermöglicht. Damit konnte ein Zeichen der Zivilcourage für engagiertes bürgerliches Handeln, für Freiheit des Denkens und für eine friedliche Verständigen unter den Völkern gesetzt werden.


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